Vorgefertigte Betonbauteile: Zuwachs in 2021 – Perspektiven für 2022 eingetrübt

PRESSESTATEMENT Friedrich Gebhart Repräsentant DEUTSCHE BETONBAUTEILE Präsident Fachverband Beton- und Fertigteilwerke Baden-Württemberg e. V. Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Pressevertreter:innen,

werfen wir zunächst einen Blick auf die wirtschaftliche Lage der Branche. Die deutsche Betonfertigteilindustrie blickt auf ein positives Jahr 2021 zurück. Ihre Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz von rund 7,3 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von knapp 6 Prozent entspricht. Für das laufende Jahr erwarten wir allerdings einen Dämpfer. Angesichts der bereits rückläufigen Zahl fertiggestellter Wohnungen im vergangenen Jahr und den herrschenden unsicheren Rahmenbedingungen prognostizieren wir einen Umsatzrückgang von 3 Prozent.

Material- und Lieferengpässe, zum Teil drastische Preissteigerungen bei Baustahl und Dämmstoffen, aber auch die stark reduzierte Förderkulisse der Öffentlichen Hand im Wohnungsbau und das deutlich gestiegene Zinsniveau werden zu einer Mengenreduzierung im Bauvolumen führen. Die unsichere Lage lässt eine realistische Prognose schwierig erscheinen, denn nicht alle Mengenrückgänge können durch Preiserhöhungen am Markt ausgeglichen werden. Wir haben einen Genehmigungsstau von 850.000 Wohnungen, die noch nicht begonnen sind. Viele Bauvorhaben sind gestoppt, abgesagt oder hoffen auf bessere Rahmenbedingungen, die ich zumindest kurzfristig nicht sehe.

Der mit Abstand größte Bedarf besteht im sogenannten bezahlbaren Wohnungsbau, hier sind systemische Lösungen des modularen und seriellen Bauens mit Betonbauteilen zunehmend zu finden. Allerdings sind hier nur Kostenvorteile von rund 10 Prozent realistisch. Ohne bezahlbare Grundstücke und eine deutliche Förderung kann man auch mit seriellem Bauen keine kostendeckenden Quadratmeter-Mieten unter 10 Euro ermöglichen. Je mehr Vorschriften erlassen und je höher die Hürden werden, desto klarer rückt das von der Bundesregierung gesetzte Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr, darunter 100.000 Sozialwohnungen, ins Reich der Utopie.

Meine Position zur einseitigen Förderung des Holzbaus habe ich bereits mehrfach deutlich klar gemacht. Unsere Initiative „Solid Unit – Netzwerk Innovativer Massivbau“ hat sehr gut Fahrt aufgenommen. Als Repräsentant unserer Dachgemeinschaft DEUTSCHE BETONBAUTEILE freue ich mich, dass diese Initiative nun auch auf Bundesebene etabliert wird, unter Koordination der Bauwirtschaft.

Mir ist es wichtig, dass wir faktenbasiert und systemisch die Baustoffe in ihren Vorteilen einsetzen. Es ist aber nicht immer leicht, der Polemik der finanzstarken Holzlobby gegen mineralische Baustoffe, wie Beton, ver-nunftorientierte Argumente entgegenzusetzen. Wir freuen uns deshalb sehr, dass ein renommierter Forscher wie Prof. Werner Sobek eine realistischere Bewertung des Fußabdrucks des Holzbaus eingefordert hat und klar ausspricht, dass eine Verteufelung des Betons beendet werden muss. Wir werden jedenfalls auf allen politischen Ebenen nicht müde werden, über das Bauen mit vorfertigten Betonbauteilen als die langfristig nachhaltigste Alternative im Vergleich zu Leichtbauweisen aufzuklären.

Dennoch muss sich unsere Bauweise zu einer leichteren, ressourcenschonenderen hin entwickeln – und genau das zeigen wir mit vielen Praxisbeispielen hier auf den BetonTagen – mit viel weniger und anderem Zement, mit neuen Bewehrungen und Leichtigkeit, und mit dem Einsatz von Recyclingmaterial, denn Beton ist vollständig recyclingfähig – ganz im Gegensatz zu Holz, bei dem heute rund 85 Prozent am Lebensende verbrannt werden müssen, CO2-Ausstoß inklusive.

 

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