Friedrich Gebhart zur Eröffnung der 65. BetonTage

Friedrich Gebhart, Präsident Fachverband Beton- und Fertigteilwerke Baden-Württemberg e. V.
Repräsentant DEUTSCHE BETONBAUTEILE

Es gilt das gesprochene Wort!

Betonbauteile stabil – Wirtschaftsbau vor spürbarem Rückgang

 

Sehr geehrte Pressevertreter:innen,

werfen wir zunächst einen Blick auf die wirtschaftliche Lage der Branche. Die deutsche Betonfertigteilindustrie blickt auf ein positives Jahr 2020 zurück. Die Hersteller von vorgefertigten Betonbauteilen rechnen für das Jahr 2020 mit einem neuerlichen Zuwachs von insgesamt rund 6 %. Dies entspricht einem Umsatz von rund 6,9 Mrd. Euro. Somit konnte die Branche erneut von der guten Baukonjunktur profitieren. Auch die Erzeugerpreisindizes stiegen in unserem Produktumfeld durchschnittlich um rund 2 %, nach langen Jahren der Konditionenstagnation.

Konstruktive Fertigteile und Wandelemente mit jeweils rund 7 %, Mauersteine mit rund 12 %, Deckenplatten mit rund 5 % sowie Pflastersteine mit rund 9 % konnten am stärksten wachsen, während Tiefbauprodukte wie Rohre und Schächte bereits einen leichten Rückgang von rund -1% verzeichnen. In Baden-Württemberg stieg der Umsatz um rund 3 % und betrug rund 1,1 Mrd. Euro.

Die positive konjunkturelle Entwicklung hat die Bauwirtschaft in Deutschland zu einem herausragenden Stabilitätsanker der Wirtschaft in der seit rund einem Jahr grassierenden Corona-Pandemie gemacht, ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt ist auf knapp 12 Prozent gewachsen.

Für das laufende Jahr 2021 ist die Branche deutlich zurückhaltender in ihren Erwartungen. Für vorgefertigte Betonbauteile rechnen wir für 2021 mit einem Umsatzrückgang von rund 3 %, im Wesentlichen bedingt durch die erwarteten zweistelligen Rückgänge im Wirtschaftsbau, während der Wohnungsbau auch 2021 noch ein geringes Wachstum von rund 2 % aufweisen dürfte. Positive Impulse für vorgefertigte Betonbauteile erwartet die Branche durch die Förderung des seriellen und modularen Bauens, das als eine schnelle, preisgünstige und zugleich qualitätsvolle Antwort auf die wachsende Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen in Ballungsräumen gesehen wird. Dass diese riesig ist, sehen Sie auch am Bauüberhang, also den bereits genehmigten, aber noch nicht begonnenen Wohnungen, hier sind wir mittlerweile deutschlandweit bei über 700.000 Wohnungen angelangt.

Meine Position zur einseitigen Förderung des Holzbaus habe ich bereits mehrfach deutlich klar gemacht. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Initiative „Solid Unit – Netzwerk Innovativer Massivbau“ gestartet und sie hat sehr gut Fahrt aufgenommen. Als Repräsentant unserer Dachgemeinschaft DEUTSCHE BETONBAUTEILE freue ich mich, dass diese Initiative nun auch auf Bundesebene etabliert wird, unter Koordination der Bauwirtschaft des ZDB, aber für uns sehr wichtig, dass auch unser Branchendachverband BBS hier an vorderster Front engagiert ist. Mit dem „Netzwerk nachhaltiges mineralisches Bauen“ ist zwar ein etwas sperriger Namen herausgekommen, der aber unser Ziel, die Nachhaltigkeitsvorteile von massiven, mineralischen Baustoffen, wie Beton, herauszustellen, dennoch gut wiederspiegelt.

Als unternehmerischer Sprecher des Bundesnetzwerks ist übrigens der junge Bauunternehmer Tobias Riffel aus Baden-Württemberg auf Bundes- und Landesebene in den Bauverbänden engagiert und auch Mitglied bei uns im Fachverband und somit ein moderner Denker in Vorfertigung.

Mir ist es wichtig, dass wir faktenbasiert und systemisch die Baustoffe in ihren Vorteilen einsetzen. Es ist aber nicht immer leicht, der Polemik der finanzstarken Holzlobby gegen mineralische Baustoffe, wie Beton, vernunftorientierte Argumente entgegenzusetzen. Und das schöne Narrativ von der CO2-Bindung des Holzes verdeckt oft rein profitorientiertes reales Handeln. So wird zum Beispiel aktuell ein erheblicher Teil des deutschen Schadholzes (auch und gerade aus dem grünen Baden-Württemberg) nach China und USA exportiert, also mit Schweröl-Containerschiffen um die Welt geschickt. Das Land Baden-Württemberg – größter Einzelwaldbesitzer hier – profitiert dabei auch noch von den Sanktionen und Einfuhrzöllen Donald Trumps gegen Kanada, dessen Holz jetzt teurer ist als das aus Baden-Württemberg.

In meiner Eigenschaft als Repräsentant unseres Branchendachs DEUTSCHE BETONBAUTEILE ist es mir wichtig, dass wir auch mit unserer gemeinsamen Branchenarbeit hier Aufklärungsarbeit leisten können und in der kommenden Zeit unsere guten Argumente bei den Zielgruppen sachlich und fair platzieren.

 

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