Betonfertigteilindustrie behauptet sich

Umsatz wächst 2021 um 6 Prozent

Corona, Materialmangel und Lieferengpässe haben im Jahr 2021 die Baubranche bestimmt. Die deutsche Betonfertigteilindustrie zieht für das Jahr dennoch eine positive Bilanz. Ihre Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz von rund 7,3 Milliarden Euro, was einen Zuwachs von knapp 6 Prozent entspricht. Dies wurde anlässlich des Pressegesprächs der 66. BetonTage am 21. Juni 2022 in Ulm bekanntgegeben. Für das laufende Jahr erwarten die Branchenexperten einen Dämpfer. Angesichts der bereits rückläufigen Zahl fertiggestellter Wohnungen im vergangenen Jahr und den herrschenden unsicheren Rahmenbedingungen prognostizieren sie einen Umsatzrückgang von 3 Prozent.

Bauwirtschaft weiter als Stütze
Die Bauwirtschaft konnte im zweiten Jahr der Corona-Pandemie weiter wachsen – bedingt auch durch die gestiegenen Preise für Bauleistungen. Die hohe Nachfrage, vor allem im Wirtschaftsbau, sorgte für mehr Auftragseingänge. Das Orderplus lag im Jahr 2021 insgesamt nominal 9,4 Prozent über dem Vorjahresniveau, real waren es 2,3 Prozent. Besonders stark stiegen die Aufträge im gewerblichen Hochbau mit einem Plus von nominal 20,4 Prozent. Davon profitierten auch die Hersteller von konstruktiven Fertigteilen, wie Balken, Stützen und Bindern, typische Produkte für den Gewerbe- und Industriebau. Ihr Umsatz wuchs um 11 Prozent. Im Wohnungsbau gingen 8,5 Prozent mehr Ordereingänge ein. Dies machte sich bei den Herstellern von vorgefertigten Wandbauteilen bemerkbar. Laut amtlicher Statistik erhöhte sich ihr Umsatz im Jahr 2021 um 6 Prozent. Zuwächse von 2 Prozent verzeichneten das Segment „Großformatige Deckentafeln“, bei „Mauersteinen aus Beton“ lagen diese bei 7 Prozent. Die Hersteller von Erzeugnissen für den Straßen-, Garten- und Landschaftsbau profitierten nachgelagert vom Wohnungsbau und erzielten ein Plus von rund 6 Prozent.

Die Investitionsbereitschaft der Öffentlichen Hand war im Jahr 2021 eher zurückhaltend. Der baugewerbliche Umsatz in diesem Bereich ging um 1,3 Prozent zurück. Dies bekamen auch die Hersteller von Entwässerungsbauteilen, wie Rohre und Schächte aus Beton zu spüren. Trotz der Mengenrückgänge (- 3 Prozent) konnten sie jedoch Umsatzsteigerungen von 5 Prozent erzielen. Da die Öffentliche Hand Ende des Jahres noch etliche Aufträge, insbesondere im Hochbau, vergeben hat, lag der Auftragseingang für das Gesamtjahr in dieser Bausparte letztlich nominal mit 2,7 Prozent im Plus.

Erzeugerpreisindizes steigen erneut
Der Erzeugerpreisindex der Baustoff-Steine-Erden-Erzeugnisse ist im Jahr 2021 insgesamt um 3,3 Prozent gestiegen. Im Segment der vorgefertigten Betonerzeugnisse machten sich unter anderem die gestiegenen Stahlpreise bemerkbar. Betonstahl in Stäben war im Jahresdurchschnitt 2021 um 53,2 Prozent teurer, Betonstahlmatten kosteten 52,8 Prozent mehr als 2020. Somit haben die Preisindizes für großformatige Deckentafeln um 7,8 Prozent sowie für Wandbauteile um 4,8 Prozent zugelegt. Die Preise für konstruktive Fertigteile verzeichnen Zuwächse von 5,4 Prozent. Bei Rohren aus Beton stieg der Index um 6,4 Prozent. Der Erzeugerpreisindex für Pflastersteine und Gehwegplatten aus Beton lag bei 3,4 Prozent beziehungsweise 5 Prozent.

Getrübte Aussichten für 2022
Für das laufende Jahr 2022 rechnet die Branche mit einem Umsatzrückgang von rund 3 Prozent. Grund dafür sind insbesondere die steigenden Energie- und Materialpreise sowie anhaltenden Lieferengpässe. Knappes Bauland und wachsenden Zinsen verschärfen die Rahmenbedingungen zusätzlich. Das erste Quartal im Jahr 2022 verzeichnet im Wohnungsbau bereits Rückgänge der Baugenehmigungen, Indikator für die zukünftige Auftragslage. Auch der Fachkräftemangel bleibt weiterhin eine Herausforderung und bringt die Unternehmen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen.


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