bbs: Konjunkturampel am Bau steht weiter auf grün

Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs) geht davon aus, dass die Bauwirtschaft auch 2019 positive Wachstumsimpulse setzen wird. 2018 ist die deutsche Volkswirtschaft noch um 1,4% gewachsen – nach +2,2% im Jahr 2017. Unter anderem aufgrund der Abkühlung der Weltkonjunktur und der damit verbundenen schwächeren Absatzentwicklung in der deutschen Exportindustrie ist 2019 eine weitere Verlangsamung der Expansion absehbar. Die weiterhin freundliche Entwicklung am Bau wird aber zur Stützung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums beitragen.

Die Bauinvestitionen sind 2018 ersten Berechnungen zufolge um real 3,0% gestiegen. Der Zuwachs war damit kräftiger als ursprünglich vom bbs erwartet. Im Einzelnen nahm der Wohnungsbau um 3,7% zu. Der öffentliche Bau stieg um 5,2%, wobei insbesondere der Tiefbau mit +6,2% dynamisch verlief (Hochbau: +3,3%). Im gewerblichen Hoch- und Tiefbau war ein leichtes Plus von jeweils 0,5% zu verzeichnen.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung am Bau bestehen nach wie vor Defizite insbesondere im Wohnungsbau. Zwar dürfte die Zahl der Fertigstellungen die Marke von 300.000 Wohnungen im vergangenen Jahr knapp überschritten haben. Allerdings liegt die Zahl der jährlich errichteten neuen neuen Wohnungen zum einen weit unterhalb des von der Bundesregierung definierten Ziels von 375.000. Zum anderen liegt der Schwerpunkt der Neubautätigkeit eher im hochpreisigen Segment, was auch auf die drastisch gestiegenen Baulandpreise in den Metropolregionen zurückzuführen ist. Hinzu kommt, dass die genehmigten Wohnungen etwa aufgrund begrenzter Kapazitäten oft zunehmend verzögert fertiggestellt werden und der Bauüberhang entsprechend steigt.

Hohe Kapazitätsauslastung im Bau
Die hohe Baunachfrage trifft auf begrenzte Kapazitäten sowohl bei der Planung und Genehmigung von Bauvorhaben als auch bei der Bauausführung und bei der Baulandverfügbarkeit. So ist die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten unbesetzten Arbeitsstellen im Bau drastisch gestiegen und liegt jetzt höher als die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen, wobei der BA längst nicht jede offene Stelle gemeldet wird. Entsprechend haben sich die Baupreise zuletzt deutlich erhöht: Im Wohnungsbau lag der Baupreisanstieg im Jahresdurchschnitt 2018 gegenüber dem Vorjahr bei 4,4%, im Tiefbau sogar bei 6,1%. Zudem sorgt der Nachfrageüberhang beim Bauland für deutlich steigende Immobilienpreise.

Insgesamt ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe – bedingt durch Nachfrage- und Preissteigerungen – 2018 um rund 10% gestiegen. Die Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie konnte von den Zuwächsen allerdings nur unterproportional profitieren, die (preisbereinigte) Produktion stieg um knapp 1%. Der Branchenumsatz dürfte sich um gut 3% auf rund 34 Mrd. Euro erhöht haben. Die positive Nachfrageentwicklung zeigt sich auch beim Geschäftsklima: Die aktuelle Lage wird nach wie vor sehr optimistisch eingeschätzt, während sich die Geschäftserwartungen deutlich abgekühlt haben.

Vorzeichen für 2019 weiter positiv
Insgesamt sind die baukonjunkturellen Erwartungen für 2019 weiterhin erfreulich. Zwar schwächen sich die Zuwächse bei den Baugenehmigungen ab, der vor allem im Wohnungsbau stark angewachsene Bauüberhang dürfte aber für eine immer noch stabile Nachfrage sorgen. Der Verlauf der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe lag zum Jahresende 2018 in allen Sparten oberhalb des Vorjahresniveaus. Ausgehend davon ist auch für die Steine-Erden-Industrie mit weiterem Wachstum zu rechnen. Der bbs hält für 2019 einen Zuwachs der Bauinvestitionen um real rund +2½% und eine Ausweitung der Baustoffproduktion um real +1% für realistisch.

Erwartungen an die Baupolitik
Die Regierungsparteien haben im Koalitionsvertrag einige baupolitische Maßnahmen festgehalten. Im Rahmen des Wohngipfels 2018 haben Bund, Länder und Kommunen sowie die Bau- und Immobilienwirtschaft verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Wohnungsbautätigkeit verabredet, die nun realisiert und weiterentwickelt werden müssen. Der bbs sieht baupolitischen Handlungsbedarf insbesondere in folgenden Bereichen:

Wohnungsbau

  • Unterstützung des sozialen Wohnungsbaus durch den Bund über 2019 hinaus und deutliche Ausweitung der Förderung
  • Verbesserung der Abschreibungsbedingungen im Mietwohnungsbau durch dauerhafte Anhebung der AfA von 2 auf 3%
  • Einführung einer steuerlichen Förderung energetischer Sanierungen
  • Forcierung einer nachfragegerechten Baulandausweisung für den bezahlbaren Wohnungsbau
  • Überprüfung kostentreibender baurechtlicher Vorschriften und Normen

Infrastruktur

  • Fortführung des Investitionshochlaufs bei den Bundesverkehrswegen
  • Weiterentwicklung des verabschiedeten Planungs- und Baubeschleunigungsgesetzes
  • Aufstockung der Kapazitäten bei der öffentlichen Bauverwaltung, um vorhandene Gelder schnell verbauen zu können

Die Liste zeigt: Die baupolitischen Herausforderungen sind erheblich. So werden im Bereich der Wohnraumversorgung die vielerorts deutlich steigenden Mieten und Kaufpreise immer stärker zu einem drängenden sozialen Problem. Hier muss die Politik im gesellschaftlichen Interesse dringend mit einem breit angelegten Instrumentarium umsteuern. Im Bereich des Klimaschutzes wächst gleichzeitig der Druck, die CO2-Emissionen deutlich zu senken. Dies kann nur funktionieren, wenn auch im Gebäudebestand Energie eingespart wird – daher ist eine Verbesserung des Förderinstrumentariums für energetische Sanierungen notwendig. Im Bereich der Infrastruktur hat die öffentliche Hand ihre Ausgaben zwar deutlich ausgeweitet. Um die Gelder schnell verbauen zu können, sind über das bereits in Kraft getretene Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz hinaus allerdings weitere Maßnahmen nötig, etwa die personelle Aufstockung bei der Bauverwaltung. Planungsrechtlich wäre es außerdem von Vorteil, wenn Ersatzbaumaßnahmen z.B. von Autobahnbrücken künftig als Instandhaltungsmaßnahme angesehen würden, da somit zeitraubende Planfeststellungsverfahren vermieden werden könnten.

Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. ist der Dachverband der deutschen Baustoff-, Steine-und-Erden-In-dustrie und damit die gemeinsame wirtschafts- und industriepolitische Interessenvertretung der einzelnen Steine-Erden-Industrien mit 15 Bundesfachverbänden und rund 4.000 Unternehmen. Die deutsche Baustoffindustrie erwirtschaftet mit mehr als 140.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 34 Milliarden Euro.

Ansprechpartner:
Christian Engelke
Geschäftsführer Wirtschaft
Tel.: (030) 726 19 99-29
E-Mail: c.engelke@bvbaustoffe.de