63. BetonTage – Ressourceneffizienz im Fokus

Die deutschen Hersteller von vorgefertigten Betonerzeugnissen blicken erneut auf ein positives Jahr zurück.

Rund 2.200 Teilnehmer besuchten die 63. BetonTage.

Prof. Harald Müller bei seinem Eröffnungsvortrag.

Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, sprach sich für das serielle Bauen aus.

Interessante Vorträge gab es auch bei den Podiumsveranstaltungen am Nachmittag.

Die begleitende Ausstellung war auch in diesem Jahr wieder ausgebucht.

Zeit zum Netzwerken bot der Kommunikationsabend im Hotel Maritim in Ulm.

Sie konnten ihren Umsatz um rund 3 % auf knapp 6,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr steigern. Die positive Stimmung machte sich auch auf den BetonTagen in Neu-Ulm bemerkbar. Der Branchenevent der Betonfertigteilindustrie fand vom 19. - 21. Februar 2019 bereits zum 63. Mal statt und zählte rund 2.200 Teilnehmer. Unter dem Motto "Innovation in Beton" informierten sich diese über die aktuellen Entwicklungen in der Betontechnologie und bei den Herstellungsverfahren sowie über brancherelevante rechtliche und wirtschaftliche Aspekte. Dabei nahmen Vorträge zur Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, zu ressourcenschonenden Zementen und innovativen Betonen einen wesentlichen Platz im Fachprogramm ein. Sie demonstrierten die Leistunsgfähigkeit des Baustoff Betons und zeigten neue Einsatzfelder und Potenziale für Betonbauteile auf. Einen Überblick über die Neuheiten der der Zuliefer-, Maschinen- und Softwareindustrie lieferte die begleitende Ausstellung.

Erfolg durch Wandel und Innovation
Eröffnet wurde der Kongress von Dr. Peter Kreuz, Förster & Kreuz GmbH, Heidelberg. "Verändern, wenn´s läuft!" lautet seine Devise. Der Bestsellerautor, Berater und Querdenker forderte von den Führungskräften "Mut zur Veränderung". Er rief sie auf, die Routine durch "anders denken" zu durchbrechen, um wieder Mut, Spaß und Leidenschaft in den Unternehmensalltag bringen zu können. Dabei sollte man sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, sondern hartnäckig sein und dran bleiben.

Prof. Harald S. Müller, ehemals KIT Karlsruhe, griff als Co-Eröffner und Betonexperte die Gedanken seines Vorredners auf. "Bauen mit Beton neu denken - Innovation und Wandel einer Bauweise" lautete sein Vortragstitel. Nach einem nur kurzen Blick in die Historie zeigte er auf, wohin die Innovationen im Beton in den nächsten Jahren führen werden, ein Hauptthema dabei: Verminderung des "CO²-Rucksacks" durch alternative Bindemittel und Recyclingmaterialien.

Starke Medienpräsenz zur Ressourcenschonung
Innovative Betone standen auch im Mittelpunkt des Fachprogramms. Beiträge zu klinkerarmen oder aus gemahlenem Brechsand bestehenden Zementen, Betone aus Kalksteinmehl und rezyklierten Ausgangsstoffen sowie Geopolymerbeton seien an dieser Stelle exemplarisch für das Podium "Anwendungsgerechte Forschung für Beton" genannt. Ein Update zu den aktuellen Fortschritten auf dem Gebiet des Carbonbetons und der unterschiedlichen Verfahren des 3D-Drucks lieferte das Podium "Von der Forschung zur Praxis". Mit der additiven Fertigung steht eine Technologie bereit, die durch die Möglichkeit der Integration von Bewehrung die Herstellung von Betonbauteilen revolutionieren könnte. Im Rahmen des Podiums "Potenziale der Betonbauteile von morgen" wurden innovative vorgefertigte Betonerzeugnisse wie verbundmittelfreie Beton-Sandwichelemente, verbundlos vorgespannte Fertigteildecken aus Carbonbeton sowie mikrobewehrte Fertigteile und multi-funktionale Leichtbetonbauteile vorgestellt.

Nicht zuletzt aufgrund der im Fokus stehenden Nachhaltigkeitsthemen stießen die 63. BetonTage auch bei den Medien auf großes Interesse. So berichtete das SWR-Fernsehen in einem mehrminütigen Bericht in den Abendnachrichten über die BetonTage zu Ressourcenschonung und Recyclingbeton, unter anderem mit O-Tönen von Prof. Harald S. Müller, Dr. Ulrich Lotz vom Veranstalter sowie einem Statement von Hagen Aichele, Leiter Beton Süddeutschland bei der Holcim GmbH, die bereits in einigen Projekten in erheblichem Umfang Recyclingbeton eingesetzt hat.

Impulse für den Betriebsalltag
Fragen aus dem betrieblichen Alltag der Betonfertigteilhersteller, Kernzielgruppe der BetonTage, griffen an den Nachmittagen wie gewohnt die produktspezifischen Podien auf. Das Spektrum reichte von Vorträgen zum konstruktiven Betonfertigteilbau, zu Betonprodukten des Straßen-, Landschafts- und Gartenbaus, zu Leichtbeton, über den Rohrleitungsbau, bis hin zu Kleinkläranlagen. Das Programm wurde traditionell in Zusammenarbeit mit den einschlägigen Fachorganisationen erstellt.

Auf gute Resonanz stieß der Praxis-Workshop. Das Schulungsangebot für Produktionsmitarbeiter beinhaltete Vorträge und Live-Vorführungen zur Bestimmung der Frischbetoneigenschaften, zur Nachbesserung von Sichtbetonoberflächen sowie zur Herstellung von schwindarmen und schnell erhärtenden Betonen.

Serielles Bauen als Chance für Betonbauteile
Am Vormittag des zweiten Kongresstages stand das Thema "Serielles und modulares Bauen" im Mittelpunkt. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie eröffnete den Tag und signalisierte eine wieder stärkere Ausrichtung der Bauindustrie auf Vorfertigung, um schnell und ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In seinem Vortrag zeigte er nicht nur deren Vorzüge auf, sondern stellte auch konkrete Forderungen an die Politik, um die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau nachhaltig zu verbessern. Passend zum Thema demonstrierten zwei Praxisbeispiele aus Betonfertigteilen die Leistungsfähigkeit der Branche in diesem Bereich.

Beeindruckende Projektbauten aus dem Gastland Russland
Von den westlichen Medien weitgehend unreflektiert, hat sich die Bauwirtschaft Russlands in der jüngsten Vergangenheit attraktiv entwickelt. Nach einem Marktüberblick zeigte der junge Architekt Kirill Pernatkin interessante Wohnungsbauprojekte in Vorfertigung auf, Denis Gershin stellte die faszinierende Hochgeschwindigkeits-Stadtautobahn in St. Petersburg vor. Eingestimmt wurden die Telnehmer von einem stimmungsvollen Balalaikaspiel von Stefan Bolshakov, dem zwölfjährigen Sohn des russischen Veranstaltungspartners Dr. Eduard Bolshakov.

Impulse für die Architektur
Mit beispielhaften Bauten aus Beton befasste sich in bewährter Weise das Podium "Beton in der Architektur", das seit vielen Jahren gemeinsam mit dem InformationsZentrum Beton und der DBZ Deutsche Bauzeitschrift am dritten Kongresstag durchgeführt wird. Namhafte Architekten wie Sergei Tchoban, TCHOBAN VOSS Architekten GmbH, Berlin, aber auch junge Büros präsentierten in diesem Jahr ihre realisierten Projekte. Rund 400 Architekten nutzten die Veranstaltung erneut zur Fortbildung. Sergei Tchoban schlug auch die Brücke zum Gastland Russland, wo er einer der führenden Stadtentwickler in Moskau und St. Petersburg ist.

Interessante architektonische Objektberichte lieferte am Vortag auch das Podium "Betonwerkstein". Das Innovation Center Darmstadt, das Einkaufszentrum Theresienwiese in München und das RheinMain CongressCenter Wiesbaden sind Beispiele, die die Informationsgemeinschaft info-b hier präsentierte.

Fachkräfte im Blick
Das Podium "Wirtschaft und Recht" stand ganz im Zeichen des Personalmanagements. Welche Maßnahmen kann ein Unternehmen ergreifen, um dem herrschenden Fachkräftemangel entgegenzutreten? Wie kann ich abwanderungswillige Mitarbeiter an mein Unternehmen binden? Was gibt es bei der Nutzung von Sozialen Medien am Arbeitsplatz zu beachten? Dies waren einige der Fragen, die hier erörtert wurden und mancher erkannte, dass hier noch erheblicher Aufholbedarf besteht.

Leistungsschau der Zulieferindustrie
Einen Überblick über die Produkte und Dienstleistungen der Zuliefer-, Maschinen- und Softwareindustrie der Branche bot die begleitende Ausstellung, die mit 160 Unternehmen wieder ausgebucht war. In diesem Jahr erhielt die Top Mineral GmbH aus Breisach den "Ausstelleraward" für den schönsten Stand.

Für die beste Neuentwicklung 2019 wurden die Halfen GmbH aus Langenfeld ausgezeichnet. Sie erhielt den Innovationspreis der Zulieferindustrie Betonbauteile für ihre selbstverankernde HTU Profilblech-Befestigungsschiene. Bei der neuen Bewehrungstechnik ersetzt eine seitliche Strukturierung die herkömmlichen verschweißten Anker. Durch die neue Konstruktion kann der Einbau unabhängig von der Lage der Bewehrung im Bauteil erfolgen. Kollisionspunkte mit der vorhandenen Bewehrung sind so ausgeschlossen. Die selbstverankernde Bauweise erleichtert die Montage und ermöglicht zudem den Zuschnitt auf nahezu beliebige Längen. Sie kann so den individuellen Kundenwünschen angepasst werden. Darüber hinaus spart die neue Schiene Lagerkapazitäten und durch die Minimierung der Variantenvielfalt auch indirekt Kosten bei der Beschaffung der Produkte.

Kommunikationsplattform für die Branche
Neben der fachlichen Weiterbildung stand auf dem Kongress natürlich das Netzwerken an oberster Stelle. Gelegenheiten dazu bot der Branchentreff reichlich, ob in den Kaffeepausen, in der Ausstellung, beim Mittagessen, im Café BFT, dem Ausstellerevent "Fairbinden" oder bei der Abendveranstaltung.

Weitere Informationen finden Sie auf www.betontage.de.
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