Betonbauteile leicht im Minus
Einbruch im Öffentlichen Bau macht Herstellern zu schaffen
Ostfildern/Neu-Ulm – „Vom konjunkturellen Aufschwung ist bei den baden-württembergischen Herstellern von vorgefertigten Betonbauteilen noch nicht viel zu spüren. Im vergangenen Jahr hatten sie mit zum Teil starken Produktionsrückgängen zu kämpfen,“ so Harald Sommer, Präsident des Fachverband Beton- und Fertigteilwerke Baden-Württemberg (FBF), Ostfildern, anlässlich der 55. BetonTage in Neu-Ulm. Nach Schätzungen des Verbandes sank der Branchenumsatz im Jahr 2010 um 5 Prozent und betrug rund 530 Mio. €. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit etwa 4.000 Mitarbeitern hingegen unverändert. Für 2011 erwartet der Verband einen erneuten Umsatzrückgang von bis zu 3 Prozent.
Haushaltsmisere der Kommunen prägt Öffentlichen Bau
Für das schlechte Ergebnis macht der Präsident neben dem langen Winter, der die Bautätigkeit massiv hemmte, auch die Entwicklung im Öffentlichen Bau verantwortlich. Dieser habe in den ersten drei Quartalen 2010 rückläufige Auftragseingänge zu verzeichnen. Die Streichung der Vorgabe an die Kommunen, nach der Mittel aus dem Konjunkturpaket nur für zusätzliche Investitionen verwendet werden dürfen sowie die angespannte finanzielle Lage vieler Gemeinden machten sich hier bemerkbar. Zudem wanderten aufgrund des Schwerpunkts der energetischen Sanierung viele Investitionen ins Nebengewerk, wodurch die Betriebe des Bauhauptgewerbes das Nachsehen hatten. So auch die Hersteller von Beton- und Stahlbetonrohren. Dringend notwendige Investitionen in das marode Kanalnetz blieben aus. Produktion und Umsatz gingen hier um rund 20 Prozent zurück. Auch die Produzenten von Betonsteinpflastern und Platten bekamen die Zurückhaltung der Öffentlichen Hand zu spüren. Ihr Umsatz sank um 12 Prozent. Angesichts des Auslaufens der Konjunkturprogramme und der anhaltenden Haushaltsmisere der Kommunen ist auch für 2011 mit einem weiteren Rückgang der öffentlichen Bautätigkeit zu rechnen. Dies zeigen auch die aktuellen Baugenehmigungen in diesem Bereich (- 19,9 Prozent).
Zuwachs im Wohnungsbau, leichte Belebung im Wirtschaftsbau
Ein deutlich positiveres Bild zeige sich hingegen im Wohnungsbau, berichtete Sommer. Die Auftragseingänge seien in diesem Segment von Januar bis November 2010 um rund 16 Prozent gestiegen. Für die Hersteller von vorgefertigten Wandelementen bedeutete dies einen Produktionszuwachs von 6 Prozent und die Erhöhung des Umsatzes um 4 Prozent. Die Produktion von großformatigen Deckentafeln ging allerdings leicht zurück (- 2 Prozent), der Umsatz sank um 1 Prozent. Der aktuelle Verlauf der Baugenehmigungen (+ 11 Prozent), stabile Einkommenserwartungen, niedrige Zinsen und ein wachsendes Interesse der Anleger an Wohnimmobilien lassen für 2011 jedoch auf weitere Zuwächse im Wohnungsbau hoffen.
Leicht erholt habe sich auch der Wirtschaftsbau. Die Auftragseingänge seien in Baden-Württemberg in den ersten drei Quartalen von 2010 um 5 Prozent gestiegen. Hiervon profitieren insbesondere die Hersteller von konstruktiven Fertigteilen. Ihr Umsatz stieg insgesamt um 4 Prozent. Die vorliegenden Genehmigungszahlen (+ 3 Prozent) lassen für das kommende Jahr auf eine Verstetigung der Nachfrage in diesem Bereich schließen.
Gedämpfte Erwartungen für 2011
Für das Jahr 2011 erwartet der Verband für die Branche insgesamt erneut einen Umsatzrückgang von 3 Prozent. „Die aktuellen Zahlen lassen leider nur gedämpfte Erwartungen statt ungebremster Euphorie aufkommen,“ so Sommer. „Während für konstruktive Fertigteile, Decken und Wände auf ein kleines Plus von 2 Prozent gehofft werden kann, sehen wir für Pflastersteine und Platten ein Minus von rund 5 Prozent sowie für Rohre und Schächte ein weiteres Minus von bis zu 10 Prozent,“ so die nüchterne Prognose des Präsidenten.
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